Herdhelden

Herdhelden

Sarah Wiener: Herdhelden Gräfe & Unzer Verlag 2011, Hardcover, 216 Seiten, 24,95 Euro

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Ich bin von Natur aus immer neugierig auf die Menschen, über deren Bücher ich schreiben soll. Also habe ich mir auch die Biografie von Sarah Wiener angesehen und muss sagen, dass sie mir jetzt noch ein bisschen sympathischer ist, als ohnehin schon. Denn sie hat es geschafft, sich von ganz unten nach oben zu arbeiten, alleine mit Fleiß und dem Glauben an eine ihr eigene wunderbare Begabung: Sie kann kochen! Dieser Wille und ihr Glaube an sich selbst und die Menschen in ihrer Umgebung haben mir sehr imponiert und mir die Lektüre ihres neuen Buches „Herdhelden“ gleich noch ein wenig schmackhafter gemacht.

Sarah Wiener, die mittlerweile seit einem Jahr mit dem Schauspieler Peter Lohmeyer verheiratet ist und darum nun eigentlich auch Lohmeyer heißt, wuchs passend zu ihrem Mädchennamen in Wien auf und hat nicht zuletzt darum ein ganz besonderes Verhältnis zur österreichischen Küche. Was war also naheliegender, als ein Kochbuch über ebenjene kulinarischen Errungenschaften ihres Heimatlandes zu schreiben. Doch das war der Köchin, die sich ihrerseits sehr für naturbelassene Lebensmittel und artgerechte Tierhaltung einsetzt, dann doch ein bisschen zu wenig. Sie wollte zum einen ihrerseits Gaumenfreunden wiederentdecken und weiterentwickeln, die sie schon in ihrer Kindheit stets mit Heimat verband, zum anderen wollte sie jedoch auch andere passionierte Köche aus allen Regionen Österreichs zu Worte kommen lassen, damit diese ihre schönsten Rezepte ebenfalls im Buch verewigen konnten. Gesagt, getan.

Sarah Wiener suchte und fand Köche ihres Vertrauens in der eigenen Verwandtschaft, in Landgasthöfen, auf Almstuben, in privat geführten Cafés und in großen Wiener Restaurants. Jeder von ihnen gab bereitwillig eines seiner typisch österreichischen Gerichte für die Leser des Buches weiter. Sie alle nennt Sarah Wiener ihre „Herdhelden“, da sie es verstehen, aus ein paar einfachen Zutaten himmlische Speisen zu zaubern, wie es sie nur in Österreich geben kann.

Doch auch die mittlerweile deutschlandweit bekannte Köchin selbst hat für ihre Leser einen wahren Blumenstrauß an wunderbaren Rezepten parat, von Brotaufstrichen wie „Grammelschmalz“ und „Kernölaufstrich‘“ für eine zünftige Jausn über Leckereien mit hohem Wildkräuteranteil wie „Löwenzahnhonig“ bis hin zu neu aufgepeppten Kindheitserinnerungen, wie beispielsweise „Salonbeuschel“. Schließlich kredenzt sie dem Leser noch feine Spezialitäten aus der gehobenen österreichischen Küche sowie klassische Wiener Spezialitäten. Als Abschluss dürfen dann auch die von ihr heiß geliebten süßen Mehlspeisen nicht zu kurz kommen.

Sarah Wieners Rezepte wechseln sich dabei ab mit den Rezepten ihrer „Herdhelden“, so dass eine bunte österreichische Mischung entsteht, die vom Hamburger Fotografen Wolfgang Schardt zudem noch in appetitlich ansprechenden, doch dabei bodenständig bleibenden Bildern in Szene gesetzt wurde. Frei nach dem Motto „Traditionell und originell – raffiniert, aber unkompliziert“ findet man als Leser Klassiker wie „Wiener Schnitzel“ und „Sachertorte“ ebenso wie leckere Eigenkreationen von „Lackierter Ente mit Mohnnudeln“ über „Tiroler Speckknödel“ und „Kärntner Kirchtagssuppe“ bis hin zu „Apfelschnee“ und zum Ausklang einem „Ribisel Likör“.

Aufgepeppt von kleinen Anekdoten Wieners aus ihrer Kinder- und Jugendzeit ist ein Buch entstanden, das man selbst dann nicht mehr aus der Hand legen möchte, wenn man eigentlich gar nichts kochen will. Das Buch ist wie ein echter Urlaub in Österreich, den man so schnell nicht wieder vergessen wird.

Dass Sarah Wiener sich selbst bei der Herstellung ihres eigenen Kochbuches noch für die Umwelt einsetzt merkt man nicht zuletzt daran, dass es entgegen vieler anderer Hochglanzkochbücher auf Umweltschutzpapier gedruckt wurde. Hier ist die Wienerin ebenso bodenständig und gerade heraus, wie bei ihrer für das Buch zusammengetragenen Rezeptsammlung aus 140 Rezepten, die in „Herdhelden“ versammelt sind.

Authentischer und ehrlicher kann man kein Kochbuch gestalten. Für mich ist das Buch ein Muss in jedem Kochbuchregal und das nicht nur bei Österreich Fans.

10 von 10 Sternen